Leinen
Quellenverweis: Verwendung von Auszügen aus dem Titel "Fachwissen Bekleidung"
mit freundlicher Genehmigung des Verlages "Europa-Lehrmittel"
Geschichte:
Leinen blickt auf eine jahrtausendlange Kultur zurück. Schon 5000 bis 4000 v. Chr. wurde Flachs systematisch von Ägyptern, Babyloniern, Phöniziern und anderen Kulturvölkern angebaut. Die ägyptischen Mumien aus den Pyramiden sind in Leinen eingehüllt, denn Baumwolle war in Ägypten lange Zeit unbekannt. Besonderer Beliebtheit erfreute Leinen sich im Mittelalter. Bis Mitte des letzten Jahrhunderts war Leinen neben Wolle der verbreitetste Textilrohstoff und wurde anschließend durch die preisgünstigere Baumwolle verdrängt. Der heutige mengenmäßige Anteil des Leinens beträgt etwa 3 % am Gesamttextilverbrauch. Es hat bis heute sein hohes Ansehen als Naturprodukt bewahrt.
Bedeutung und Herkunft:
Die Welterzeugung von
Flachs ist in den letzten 25 Jahren konstant geblieben. Sie schwankt zwischen
600 000 und 700 000 Tonnen. Das sind etwa 1,5 % der Weltfaserproduktion. Die
Haupterzeugerländer sind: 1. ehemalige UdSSR, 3. Frankreich, 3. VR China, 4.
Polen, 5. Ru- mänien, 6. ehemalige CSFR, 7. Ägypten, 8. Belgien, 9. Niederlande,
10. Ungarn (= Flachs-gürtel). Insgesamt wird Flachs in rund 20 Ländern angebaut.
In jüngster Zeit versucht man, Flachs auch in Deutschland wieder heimisch zu
machen.
Die
Leinenfasern werden aus dem Stengel der Flachspflanze gewonnen. Diese wird
als Frucht- oder Faserpflanze angebaut. Zur Fasergewinnung werden
langstielige, hellblau bis weiß blühende Sorten mit einer Wuchshöhe von
etwa 80 bis 120 cm verwendet, während kürzere Sorten der Leinölgewinnung
dienen.
Ernte und
Fasergewinnung:

Die
Flachspflanze:
Der Flachs ist eine einjährige Pflanze und muß jedes Jahr neu
gesät werden. Er gedeiht sehr gut im gemäßigten Klima. Gebiete mit
Seeklima liefern die besten Flachssorten. Die Aussaat erfolgt von März bis
April. Das Wachstum ist nach etwa 90 bis 120 Tagen beendet. Im oberen Teil
der Pflanze bilden sich Verästelungen, an denen sich die Blüten
entwickeln. An der reifen Pflanze haben sich aus den Blüten die etwa
erbsengroßen Samenkapseln gebildet, die etwa 2 mm lange, sehr ölhaltige
Samen (Leinsamen) enthalten. Die Ernte erfolgt im Juli oder
August.
Verarbeitung:
Hechelflachs wird nach dem Bastfaserspinnverfahren zu Garn versponnen.
Querschnitt
durch einen Flachsstengel:
Cottonisieren nennt man das mechanische
oder chemische Auflösen der Faserbündel in Elementarfasern, die man auch
Flockenbast nennt. Cottonisierte Flachsfasern lassen sich mit Baumwolle
mischen
(heute selten angewendet). Charakteristisch sind die im Mikroskop sichtbaren
bambusartigen Faserverdickungen.
Der
Querschnitt eines Flachsstengels zeigt die verschiedenen Schichten, die
entfernt werden müssen, um die Faser-bündel für die Ver-arbeitung
freizulegen. Die Faserbündel reichen bis in die Wurzeln der Pflanze. Sie
bestehen aus 25 bis 40 mm langen Einzel- oder Elementarfasern, die durch
Pflanzenleim (Pflanzen-bast) miteinander verklebt sind. Zellulose (ca. 70
%) und Pflanzenleim (ca. 30 %) geben Leinen im wesentlichen die typischen
Eigenschaften.

Aufbau der Leinenfaser:
Leinenfasern sind ähnlich aufgebaut wie Baumwollfasern, sie bestehen vorwiegend aus Zellulosemolekülketten. Durch den Pflanzenleim, der die Elementarfasern zusammenhält, ist Leinen steifer. Leinenfasern sind im Vergleich zur Baumwolle in der Oberfläche glatter.
Eigenschaften von Leinen:
Ausrüstungen:
Fasererkennung:
Typische Leinenstoffe (sie zeigen alle charakteristische Garnungleichmäßigkeiten, Knötchen und Basteinschlüsse):
Drell, Jäger- und Schiffleinen, Klötzelleinen, Reinleinen, Halbleinen, Siebleinen, Leinenbatist, Schneider- oder Wattierleinen.
Fasermischungen:
Leinen wird vor allem mit Baumwolle zu "Halbleinen" verarbeitet. Dabei bestehen die Kettfäden aus Baumwolle und die Schußfäden aus Leinen. Auch mit anderen Bastfasern, wie Hanf oder Ramie sowie mit zellulosischen und synthetischen Chemiefasern, z. B. mit Modal, Polyamid, Polyester und Polyacryl wird Leinen gemischt. Der Leinencharakter (Garnstruktur, Glanz und Farbe) wird zum Teil mit Chemiefasern nachgeahmt, es fehlen dann allerdings die typischen Leineneigenschaften.
Einsatzgebiete:
Pflegemöglichkeiten und Pflegekennzeichnung:
Es ist waschbar,
kochfest, schnell trocknend, bügelfähig aber nicht bügelfrei. Die
Bügeltemperatur kann bis 220°C hoch sein, das Bügelgut sollte dann allerdings
feucht sein. Textilkennzeichnung: Nach dem
Textilkennzeichnungsgesetz (TKG) darf die Bezeichnung Flachs oder Leinen
nur für Fasern aus dem Stengel der Flachspflanze verwendet werden. Als
Reinleinen können Textilien aus 100 % Leinen bezeichnet werden
(herstellungstechnische Abweichungen von 2 % und Ziereffekte von bis zu 7
% des Gesamtgewichtes sind zulässig). Die Bezeichnung "Halbleinen" darf
bei Erzeugnissen verwendet werden, die in der Kette vollständig aus Baumwolle
und im Schuß ganz aus Leinen bestehen und deren Leinenanteil mindestens 40
% des Gewebes ausmacht.
Chemischreinigen: Leinen verträgt allgemein übliche
Lösemittel.
Trocknen im Wäschetrockner ist möglich macht aber das Bügeln
schwieriger.